Lyme-Borreliose frühzeitig erkennen

Zecken übertragen in der Schweiz zwei für den Menschen gefährliche Krankheiten. Die Zweithäufigste ist die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME), ein Virus, gegen das man sich impfen lassen kann. Die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit ist die Lyme-Borreliose. Sie wird durch die Bakteriengattung Borrelia Burgdorferi ausgelöst und es gibt keinen Impfstoff dagegen.

Die Hälfte aller Infektionen von Lyme-Borreliose wird nicht oder zu spät erkannt. Das liegt meist daran, dass die Symptome sehr allgemein sind und deren Diagnostik leicht mit anderen Krankheitsbildern verwechselt werden kann. Bei Verdacht auf eine Lyme-Borreliose kann eine Blutuntersuchung angeordnet werden. Mit ihr lassen sich Antikörper gegen die auslösenden Borrelien im Blut nachweisen. Allerdings gibt der serologische Befund keinen Aufschluss über eine akute oder eine bereits durchgemachte Borreliose. Eine bereits durchgemachte Lyme-Borreliose ist nicht mehr therapierbar abgesehen von allfälligen Spätfolgen, die individuell eingestuft werden müssen. Die akute Lyme-Borreliose kann jedoch mit einer Antibiotika-Therapie geheilt werden, sofern sie als solches diagnostiziert wird.

Schwierige Diagnostik

Um eine Borrelieninfektion zweifelsfrei zu nachzuweisen, sind aufwändige Methoden nötig. Eine Methode ist, dass mit der infizierten Körperflüssigkeit Borrelien-Bakterien bebrütet und somit nachgewiesen werden können. Oder man kann bei Hinweisen auf einen Befall des Nervensystems, das Nervenwasser mittels Lumbalpunktion auf Borrelien analysieren. Beim Befall der Gelenke kann die Diagnose durch das Untersuchen von Gelenkflüssigkeit (Gelenkpunktion) erstellt werden. Ein Nachteil dieser Untersuchungen ist allerdings, dass ein negativer Befund nicht zwangsläufig heisst, dass keine Borrelieninfektion vorhanden ist. Die Möglichkeit besteht nämlich, dass sie noch nicht nachgewiesen werden kann.

Erste Phase

In der ersten Phase der Lyme-Borreliose, also etwa einen bis dreissig Tage nach einem mit Borreliose infizierten Zeckenstich, zeigt sich typischerweise die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans), eine rote, kreisrunde Verfärbung rund um die Einstichstelle. In der Hälfte aller Fälle wird aber weder der Zeckenstich noch eine Erythema migrans bemerkt. Darüber hinaus zeigen sich verschiedene Symptome, die kombiniert oder einzeln auftreten können.

 

Die Zeckenliga zählt zu den typischen Symptomen grippeartige Erkrankungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwellungen der Lymphknoten, extreme Schweissausbrüche, allgemeine chronische Schmerzen, Kopf- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Herzbeschwerden, Hautprobleme, Sehstörungen, Gehörprobleme, erhöhter Ruhepuls, partielle Lähmungen, psychische Probleme, sensorische und neurologische Ausfälle.

Zweite Phase

 Die zweite Phase der Lyme-Borreliose kann Wochen, Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich eintreten. Sie äussert sich in Form von anschwellenden und schmerzenden Gelenken oder befällt, gemäss Bundesamt für Gesundheit, das Nervensystem, die Haut oder seltener auch das Herz. Der Verein MediX (Zusammenschluss von 220 Ärztinnen, Ärzten und Praxen im Raum BE und ZH) erwähnt Symptome von Meningitis mit Bewusstseins- und Koordinationsstörungen sowie Lähmungserscheinungen. Seltener kann es zu einer Meningoencephalomyelitis kommen, die zu Schluck- und Sprechstörungen oder zu Lähmungen im Bereich von Gesicht, Hals und Lungen führen kann.

 

TopPharm, die grösste Gruppierung selbständiger Apotheken in der Deutschschweiz, weist zusätzlich auf folgende Symptome hin: Starke, brennende Rückenschmerzen, die in Arme und Beine ausstrahlen und sich beim Hinlegen verstärken (sie deuten auf einen Befall des Nervensystems). Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Hirnentzündung (Enzephalitis) können beobachtet werden. Das Ganze kann mit Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen einhergehen. Gemäss TopPharm deuten Herzrasen, Herzstolpern, Schmerzen im Brustkorb, Kurzatmigkeit und plötzlicher Leistungsabfall daraufhin, dass Borrelien das Herz befallen haben.

Das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) erwähnt in ihrer Zecken-Broschüre weitere Symptome wie Nackenschmerzen und Augenbeschwerden.

Dritte Phase

Monate oder Jahre nach dem ersten Ausbruch der Borreliose können gemäss BABS-Broschüre Hautveränderungen, entzündliche Schwellungen an Gelenken, Störungen des Gangs und der Blasenfunktion eintreten. Es ist von sogenannten Spätfolgen die Rede. Das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zählt auch Krankheitszeichen dazu, die der Multiplen Sklerose (MS) ähnlich sind. TopPharm erwähnt, dass das Post-Lyme-Syndrom sich ähnlich wie eine Depression, ein Burnout oder andere psychische Krankheiten äussern kann.

Mehr Sicherheit durch Aufklärung

Um das Leiden der Betroffenen und die sozialen und medizinischen Kosten zu senken, müssen die Bevölkerung und Allgemeinmediziner stärker auf das Thema sensibilisiert werden. Sobald mehrere Symptome oder ein serologischer Befund auf eine Borreliose hinweist, muss die Diagnostik eine mögliche Lyme-Borreliosen-Infektion miteinschliessen. Nur so können Langzeitschäden der chronischen Borreliose minimiert werden. Dieser Artikel soll helfen, Borreliose frühzeitig zu erkennen, damit mit einer Antibiotika-Therapie Langzeitschäden besser vermieden werden können.